Der Gummimotor

...der klassische Antrieb für kleine Flugmodelle



Unsere kleinen Balsagleiter fliegen zwar schon recht gut, doch wird wohl bald der Wunsch erwachen, ein Modell zu bauen, das wie seine großen Vorbilder aus eigener Kraft startet. Für unsere kleinen Fliegerchen bietet sich hier der Gummimotor an. Er ist einfach, leicht und billig. Natürlich dürfen wir von den hier gezeigten Modellen keine Höchstleistungen erwarten, doch Flüge um die dreißig Sekunden und Bodenstarts aus eigener Kraft sind damit durchaus möglich. Wenn Du keine glatte Fläche für den Bodenstart zu Verfügung hast, genügt schon ein größeres Stück Pappe als "Startbahn".

Im Rumpf wird ein Gummi zwischen einem Haken oder Dübel im  Rumpfheck und der Propellerachse eingehängt. Der Gummi wird durch Rückwärtsdrehen des Propellers aufgezogen, und nach Loslassen des Propellers dreht sich dieser schnell, bis der Gummi entspannt ist.
Der aufgezogene Gummi kann recht große Zugkräfte entwickeln, was bei der Konstruktion der Modelle zu beachten ist. Darum solltest Du es beim Aufziehen des Motors nicht übertreiben, oft hat es mir schon das ganze Modell zerfetzt, lange bevor der Gummi reißt!

Die Herstellung des Propellers ist eine sehr aufwendige Arbeit, wir greifen hier lieber auf handelsübliche Luftschrauben aus dem Modellbaugeschäft zurück. Hier bekommt ihr auch geeigneten Gummi und das Kugellager für die Luftschraube. Es gibt sogar komplette Gummimotoren, bestehend aus Schraube, Lager, Gummi usw. fertig zu kaufen.
Doch ist der Eigenbau nicht besonders schwierig. Ihr benötigt dazu neben der (gekauften) Luftschraube:

Als Lagerperle eignet sich jede runde Glasperle, die sich leicht auf der Welle drehen lässt. Der gespannte Gummi zieht kräftig am Propeller, so dass hier zwischen Propeller und Lagerrohr eine große Reibung entsteht, welche die Drehbewegung der Luftschraube bremsen würde. Eine Glasperle zwischen Luftschraube und Lagerrohr wird diese Reibung schon erheblich vermindern. Optimal, aber für unsere Modelle nicht unbedingt erforderlich, wäre hier natürlich ein richtiges kleines Druckkugellager.

Als Gummi nimm am besten die Schwarzen oder Gelben aus dem Modellbaugeschäft, zur Not kannst Du auch normale Haushaltsgummiringe verwenden. Nimm sie einfach doppelt, und hänge sie ineinander, bis Du die passende Länge hast. Viel Leistung bringen die allerdings nicht.
Ein neues Gummi solltest Du langsam "eingewöhnen", indem Du es zunächst nur etwa 100 Umdrehungen aufziehst. Nach und nach kannst Du dann jeweils 20 Umdrehungen weiter aufziehen. Bei 250 bis 300 Umdrehungen sollte allerdings wirklich Schluss sein!
Beim Aufziehen verdrillt sich der Gummi, und bildet beim Weiterdrehen Knötchen. Wenn der Gummi auf der ganzen Länge verknotet ist, solltest Du ihn nicht mehr sehr viel weiter aufdrehen. Zieh mal vorn am Propeller, dann spürst Du, mit wie viel Kraft der Gummi zieht. Spätestens wenn der Rumpf sich biegt, musst Du aufhören mit Aufziehen.
Die Gummis leben länger, wenn Du sie gelegentlich mit etwas lauwarmen Seifenwasser spülst, und dann leicht mit etwas Talkum oder Babypuder einpuderst. Bei der Landung kommen nämlich Schmutz und Sandkörnchen auf den Gummi, und die scheuern beim Aufziehen und Ablaufen zwischen den Knötchen, was mit der Zeit den Gummi zerstört.
 

Aufbau: Nimm zunächst das Stück Stahldraht für die Luftschraubenwelle und biege vorn einen Haken. dieser Haken ist nachher der Mitnehmer für unsere Luftschraube.
Nun steckst Du die Welle durch die Luftschraube. Hinter die Luftschraube steckst Du die Perle oder das Kugellager. Dann das ganze durch das Lagerrohr, welches Du am besten schon im Kopfspant (Motorträger) mit Hartkleber eingesetzt hast.
Biege zum Schluss die Öse, in welche später der Gummi eingehängt wird - fertig!

Tipp: Den Stahldraht biegst Du am besten mit einer Kombizange und eine Rundzange. Achte darauf, dass sich die Welle im Rohr, im Lager und der Luftschraube nicht verbiegt, das würde den Motor unnötig bremsen. Der Propeller sollte sich beim Anpusten leicht drehen. Das Lager kannst Du eventuell leicht schmieren. Nimm dazu aber Graphitpuder und auf keinen Fall Öl! Denn Öl, wie Du es vielleicht für Dein Fahrrad verwendest, würde den Gummi nach kurzer Zeit zerstören.


Modelle mit Gummimotor

Baupläne, Baubeschreibung und weitere Tipps



Unsere Motorflieger sind eigentlich auch Balsagleiter, und sehr ähnlich zu bauen und einzufliegen wie die zuvor beschriebenen Flieger ohne Motor. Wenn der Gummi abgelaufen ist, dann stürzen sie nicht zu Boden, sondern gehen einfach vom Kraftflug in den Gleitflug über.
Zum Einfliegen gehst Du daher vor wie bei den Gleitern, die ersten Starts also ohne den Gummimotor aufzuziehen. Erst wenn Dein Modell einen guten Gleitflug zeigt, kannst Du den Motor "anwerfen".
Das Fahrwerk für den Bodenstart schützt auch die Luftschraube vor dem Bodenkontakt bei der Landung.
Der Luftwiderstand der stehenden Schraube, der Luftwiderstand des Fahrwerkes sowie das Gewicht des Motors mit dem Gummi sind für den Gleitflug hinderlich, wir können daher von unseren Modellen nicht die gleichen Gleitflugeigenschaften wie von einem reinen Gleiter erwarten. Für Hochleistungsmodelle wurden schon Freilauf- und Klappluftschrauben konstruiert, sogar komplett abwerfbare Gummimotoren, welche nach Ablaufen des Gummis selbsttätig abfallen, habe ich schon gesehen. Aber all das würde hier zu weit führen.
Für die folgenden Modelle genügt der oben beschriebene Motor vollauf.
 

Praga E-114 M

Antonov An-2

 

 

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